Freitag, 4. Mai 2012

Maschinen

Von Handarbeit zur Handmaschine

Im letzten Jahr habe ich schon einiges gelernt. Ich schätze die Handwerkzeuge, das Handwerk viel mehr, als ich das in der Schweiz getan habe. In der Ausbildung als Maurer lernten wir viele Dinge, bei denen ich mich fragte, ob man das wirklich jemals brauchen wird. Von Hand sägen, den Kellenwurf, eine Treppe schalen, Hobeln und vieles mehr. Ich erinnere mich mehrmals an Dinge, die ich damals für unnötig empfand und mich fragte, ob ich das jemals wieder brauchen werde. Das Leben hat mich eines besseren belehrt.
Nichts desto trotz, die Motorsäge hat die grosse Handsäge abgelöst. Die Folge daraus ist, dass wir mehr Holz haben, das wir verarbeiten können. Wir kommen nicht nach mit der Handarbeit. Handschleifen frisst sehr viel Zeit. Daher habe ich mir eine Wunschliste von Maschinen zusammen gestellt. Ich habe sie in drei Prioritäten unterteilt. Ziel ist es nicht, teure Maschinen zu kaufen, die nach meiner Abreise nicht mehr verwendet werden. Doch Handmaschinen sind für schweizerische Verhältnisse erschwinglich und die Jugendlichen können sich neue Fähigkeiten aneignen. Arbeitsweise, Sorgfalt mit Maschinen, wirtschaftliches Denken...

Priorität 1
  • Schleifmaschine
    Die Schleifmaschine vollendet für mich die Holzarbeiten gibt ihnen den letzten Schliff. Im Casa Girasol sind mehrere Holzdecken zu streichen, die es zuerst abzuschleifen gibt, daher für mich Prioität 1.
    Kostenpunkt: 100 Franken

  • Schraubstock
    Den Schraubstock habe ich schon mehrmals vermisst. Um die Handsägen zu schärfen, ein Holzstück oder anderes einzuspannen.
    Kostenpunkt:150 Franken
    Gesamtkosten Priorität 1: 250 Franken


Priorität 2
  • Schleifmaschine zum Schärfen
Stechbeutel und Manchetten werden Stumpf mit einem Schleifstein sind sie im nu wieder scharf und die Arbeit macht doppelt soviel Spass.
Kostenpunkt: 240 Franken


  • Kompressor
Der Kompressor dient zur Lufterzeugung. Das Auto kann man Pumpen, die Motorsäge und den Automotor reinigen. Holzarbeiten kann man mit einer Farbpistole an-sprayen.
Kostenpunkt: 250 Franken

    Gesamtkosten Priorität 2: 490 Franken
Prioität 3
  • Handkreissäge
Die Handkreissäge ist gut für Längs- und Querschnitte die ein bisschen genauer sein müssen als mit der Motorsäge.
Kostenpunkt: 130 Franken


  • Handhobelmaschine
    Die Hobelmaschine macht das gleiche wie der Handhobeln, ist einfach eine Stufe moderner. Der nächste Schritt wäre eine grosse Hobelmaschine, doch das wäre übertrieben.
  • Kostenpunkt: 100 Franken
  • Gesamtkosten Priorität 3: 230 Franken

  • Gesamtkosten total: 970 Franken

    Privatkonto
    PC: 30-449295-3  Vermerk Maschinen (kann man nicht abziehen von den Steuern) 

    Förderverein Casa Girasol, 8586 Erlen  
    PC: 85-462791-4  Vermerk Maschinen (abziebar von den Steuern)

    • Danke für euer Interesse, Thomas

Sonntag, 12. Juni 2011

Punktesystem zum Zweiten

Punktesystem zum Zweiten
Der erste Monat seit der Einführung des Punktesystems ist vorbei. Nach den ersten zwei Wochen kamen fünf der fünfzehn Kinder an einem Freitag in den Genuss von einem Reitausflug im Casa Girasol. Zwei der fünf Kinder bevorzugten es, die 26 Lempiras auf einem fiktiven Konto, bei mir anzulegen, die übrigen drei genossen die Süssigkeiten und das Süssgetränk im Wert von umgerechnet einem Franken. Um sich ein Bild zu machen, was man damit alles kaufen kann zähle ich euch die Dinge auf, die dieser Sack beinhaltet: eine 5dl-Cola, zehn Bonbons, ein Schleckstängel und vier Kaugummi.

In den zweiten zwei Wochen erreichten schon 12 der 15 Kinder die geforderten 432 Punkte. Diese 12 Jungs haben nun die Möglichkeit, das nächste Nivel zu erreichen. Zusätzlich habe ich noch vier Nachweise gefordert, von denen sie drei erfüllen mussten. Der Gedanke hinter diesen Prüfungen ist es, messbare Ziele zu setzen und in einem zeitlich überschaubaren Rahmen von zwei Wochen zu erreichen. Um die Kinder nicht zu demotivieren waren drei der vier Nachweisen auf sportlicher Basis wie 10x jonglieren mit einem Fussball, eine Technikübung, eine Sprungkraftübung und der letzte Nachweis waren die zehn Gebote. Wieder einmal mehr überraschten mich einige Kinder, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie die zehn Gebote auswendig lernen können. Andere wiederum, für die es ein Leichtes gewesen wäre, versuchten es nicht einmal.

Die Auswertung dieser Nachweise erfolgt morgen, denn die letzte Woche war total ausgebucht mit dem Projekt „Agua-splash“, von dem ich in den nächsten Tage berichten werde.

Liebe Grüsse Thomas

Freitag, 13. Mai 2011

Punktesystem

    Am Montag führten wir ein neues Punktesystem ein. Es ist ein ähnliches System, mit dem ich in meiner Zeit im Therapiezentrum im Massnahmenvollzug gearbeitet habe. Wir bewerten die Kinder täglich auf einer Skala von eins bis fünf in vier Bereichen: Pünktlichkeit, Sauberkeit, Verhalten und Arbeitsbereitschaft. Nach 14Tagen wird abgerechnet. Das Ziel ist eine definierte Punktzahl.
    Der zweite Tag ist vorbei und ich bin überrascht, wie positiv die Kinder auf das Punktesystem reagieren. Denn die Gewinne ( “Premios” ) sind bescheiden. Es gibt vier Nivele, die ein Kind erreichen kann. Ein Nivel beinhaltet fast “nur” geschenkte Zeit zum Erlernen spezieler Dinge wie Reiten, Computerarbeit, Backen oder Musikunterricht.
    Mit grossen Augen starren mich die Kinder an, als ich ihnen vorrechne, wie viel sie verdienen können. Neben der geschenkten Zeit stolze 26 Lempiras in zwei Wochen. Diese können sie bei mir anlegen für etwas Grösseres oder in heiss geliebter Schleckware beziehen.
    Unsere Mitarbeiter verdienen 200 Lempiras im Tag, das enspricht dem hiesigen Mindestlohn von 10 Franken. Trotz diesem Mindestslohn, gibt es viele Patrone, die weit weniger bezahlen, denn die Arbeitslosigkeit ist sehr gross. Die Kinder arbeiten pro Tag zirka eine Stunde, in zwei Wochen also 8 Stunden und ich sehe sie als Lehrlinge. Ich bin erstaunt, als nur geringe Gegenwehr auf diesen Betrag kommt. Diesen wenigen Jungs kann ich erklären, dass sie alle ein Dach über dem Kopf haben, Essen, Kleider und vieles mehr bekommen.
Ich bin guten Mutes, dass wir es schaffen:
  • die Kinder zu beobachten und fair zu bewerten
  • dass die Jungs weiterhin so motiviert sind
  • dass uns weitere “Premios” einfallen

Liebe Grüsse

Thomas

PS. Kommentare sind erwünscht und zeigen mir, dass auch jemand gelesen hat, was ich schreibe.
 
 


 

Sonntag, 3. April 2011

Porträt von Juan

Samstag, 19. März 2011

Ein ganz normaler Tag

Hallo Miteinander

Mittlerweile sind es dreizehn Kinder im Heim. Ich berichte euch wie ein normaler Tag meines Lebens aussieht.

Spätestens um sechs Uhr in der Früh stehe ich auf und nütze die Stille, um mir einen Input im Internet anzuhören. Nach den täglichen Pflichten, der persönlichen Reinigung und dem Morgenessen, begebe ich mich auf den zweiminütigen Arbeitsweg Richtung casa RafaEL.

Um sieben Uhr, mittlerweile fast immer pünktlich, empfange ich meine drei honduranischen Mitarbeiter. Die erste halbe Stunde des Tages lernen wir spielen und singen. Inzwischen beherrschen sie UNO mit Spezialregeln und spielen es auch fleissig mit den Kindern. Ich habe mir fest vorgenommen, ihnen auch noch andere Spiele beizubringen. Die meisten Honduraner kennen das nicht und ich finde es sehr wichtig für die Kinder, dass sie eine Betreuung haben, die sich mit ihnen abgibt und das geht oft über ein Spiel am einfachsten.


Von halb acht bis acht widmen wir uns der Bibel. Im Moment beschäftigen wir uns mit dem wichtigsten Gebot (Lukas 10,25-28). Wir suchen nach Ideen, wie wir die Kinder zum Nachdenken bringen können, was dieses Gebot beinhaltet. Was ist Liebe? Was will Gott? Reden wir nur von Gottes Willen oder handeln mir auch danach? Wie zeigt sich Nächstenliebe in diesem Heim? Ich stellte fest, das in Honduras offen kommuniziert wird über den Glauben und das eine starke Verbindung zwischen den Kulturen ist. Es ist auch eine gute Möglichkeit den Kinder die Bibel näher zu bringen.
Um acht Uhr stossen zwei 15jährige RafaEL-Jungs zu uns, die am Nachmittag Schule haben und am Morgen mit uns Sport machen. Honduraner sind Fussball-verrückt. Es ist eine weitere Herausforderung für mich, den Kindern die Wichtigkeit von Einlaufen, Ballschulung und Übungen beizubringen. „Spielen, spielen“ tönt es von allen Seiten.
Nach einer Stunde Sport mit Kraftübungen haben wir uns ein Café verdient. Dann heisst es raus aus den Sport- und rein in die Arbeitskleider. Neben den täglichen Arbeiten wie Laubrechen, Wischen, Abfall verbrennen, Gras schneiden, Kaffe schällen, haben wir auch Reperations- und Maurerarbeiten zu erledigen. Heute habe ich mit einem Kind einen Lichtschalter repariert. Wir versuchen alles zu reparieren, was wir können. Einerseits ist es das billigste und meistens auch das schnellste. Mit den zwei Jugendlichen zu arbeiten ist sehr befriedigend, denn sie haben den Willen zu arbeiten und zu lernen.

Um elf Uhr trennen sich die zwei von uns und stylen sich für die Schule. Wir begeben uns in unsere Bodega (Werkstatt) und planen den Nachmittag. Es gibt Tage, an denen ich das Gefühl habe, dass Organisation neben der Pünktlichkeit ein weiteres Fremdwort in diesem Land ist. Nebst der Planung von Arbeit und Sport für elf Kinder widmen wir uns der Buchführung (Notizen) für jedes Kind. Wir halten Auffälligkeiten fest, die wir beobachten. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir mit jedem einzelnen Kind Gespräche führen, um persönliche Ziele zu definieren und Wege aufzuzeichnen, die dahin führen. Diese Stunde dient der Organisation der Gegenwart und der Zukunft. Meine Hauptaufgabe sehe ich in der Ausbildung der Arbeitsbetreuer.



Nach der stündigen Mittagspause treffen wir uns erneut in der bodega und planen den Input. Jeden Tag ist ein Mitarbeiter verantwortlich, mit den Kinder einen Input zum wichtigsten Gebot zu halten. Danach teilen wir die Gruppe. Die Hälfte arbeitet draussen. je zwei Jungs pro Betreuer. Die andere Hälfte ist im Haus und beschäftigt sich mit Bändeli knüpfen oder macht Hausaufgaben.



Um drei Uhr werden die Gruppen gewechselt und es wiederholt sich alles. Um vier Uhr wechseln die Kinder die Kleider und begeben sich auf den Sportplatz. Fussball! Freude in allen Gesichtern!


Um Fünf Uhr endet für mich offiziell der Tag mit den Kindern, doch meistens spiele ich mit ihnen noch eine Partie und es wird fast sechs Uhr, bis ich zu Hause bin. Dort wartet meine Familie auf mich und auch Heidi, Rahel und Domink essen und wohnen bei uns.
Den Abend verbringe ich mit meiner Familie. Donald-Duck schauen, Ballspielen, Tanzen, Kinder ins Bett bringen und Zeit mit der Ehefrau sind die Teile des täglichen Abendprogramm. Im Moment kommen noch Blogeinträge schreiben und andere organisatorische Dinge dazu. Doch ich bin zuversichtlich, dass ich ein grossen Teil dieser Aufgaben baldmöglichst am Tag erledigen kann, wenn die Mitarbeiter immer selbständiger werden. 

Um spätestens elf Uhr sinke ich müde und meistens zufrieden in mein Nest. 

Gruss und Kuss von 
Julius